Transportbox für Segelflugmodelle

(Dieser Artikel ist im FMT-Extra "RC-Segelflug", Ausgabe 1996 erschienen, VTH-Verlag .Die Veröffentlichung auf dieser Homepage geschieht mit Zustimmung des Verlags.)
 

Die meisten Flugmodelle werden nicht auf dem Flugplatz unansehnlich durch kleine Schäden, "Macken", hier oder da, sondern beim Transport im Auto auf dem Weg zum Flugplatz oder schon beim Verstauen. Wer kennt das nicht? Besonders gefährdet sind unsere Modelle, wenn wir sie auf eine Urlaubsreise mitnehmen. Trotz Flächenschutztaschen aus Noppenfolien sind Druckstellen bei Sandwich- oder CFK-Flächen in den meist vollgepackten Fahrzeugen unvermeidlich.
Der zweite Grund sich über einen besseren Schutz der empfindlichen Modelle Gedanken zu machen, war für mich die aus platzgründen notwendige Lagerung der Modelle in der Werkstatt. Immer wieder waren die abgelegten flugfertigen Modelle mit einer Staubschich überzogen. Wollte man am Wochenende sein Fahrzeug beladen, mußte erst einmal der Staub von dem Modell gewischt werden. Außerdem, ein Segler mit 5m Spannweite stellt schließlich einen Wert von mindestens 2000,-DM dar, und den stellen sie in die Kellerecke?
Als Schüler habe ich meine Modelle mit dem Fahrrad transportieren müßen. Mit einer Hand wurde das Fahrrad gelenkt und mit der anderen das auf ein Gestell montierte Modell gehalten. Dieses Gestell bestand aus zwei Sperrholzplatten die Ausschnitte für den Rumpf und die Flächenhälften hatten. Verbunden wurden diese Platten durch zwei ca. 2cm dicke Rundhölzer von ca. 40cm Länge (Abb.1). Das Modell war an dem Gestell mit
Gummiringen fixiert.
Abb.1: Tragegestell für den Modelltransport. Die Flächen und der Rumpf werden mit Gummiringen an dem Gestell befestigt. Der Rumpf dient dann als Tragegriff. 
Warum beschreibe ich das alles? Um ihnen meine Beweggründe zum Bau der Transport- und Lagerkisten näherzubringen, die ich ihnen jetzt vorstellen möchte. Ich habe mir mittlerweile um fast jedes Großsoglermodell eine maßgeschneiderte Kiste gebaut, die wie Transportanhänger aussehen in denen die großen Vorbilder aufbewahrt und gefahren werden. Dies ergibt sich durch die Anordnung der Einzelteile: Rumpf in die Mitte, Flachen links und rechts daneben und das Höhenleiwerk hinter das Seitenleitwerk. Der Rumpf ist in der Regel kiirzer ist als eine die Länge der Kiste bestimmende Flächenhälfte. In FMT-Extra 17 (RC-Segelflug von 1994) war übrigens schon einmal eine solche Transporthox eines anderen Modellbauers abgebildet. Es gibt also noch mehr Verrückte. Meine Frau ist nämlich der Meinung mein Hobby wäre jetzt, nach jahrzehntelangem Bau von Segelflugmodellen, die Herstellung von sargähnlichen Holzkisten. Bezüglich der Abmessungen hat sie da nicht ganz unrecht, außerdem
haben meine Särge, ich meine Transportkisten, ja einen Aufsatz in dem das sonst herausragende Seitenleitwerk steckt. Um nämlich die Kiste so klein und knapp wie möglich ausfallen zu lassen, wird die Seitenansicht um eine Flächenhälfe herum konstruiert. Der Rumpf, dahinterstehend, wird von ihr meist vollständig abgedeckt, bis auf das Seitenleitwerk natürlich. Damit sind wir nun endlich beim Entwurf des Corpus delicti.
Wie gesagt, d.e Länge wird durch die Flächenhälften bestimmt. Die Breite der Kiste liegt im Bereich des Rumpfvorderteils fest, durch die Anordnung der Flächenhälften auf beiden Seiten. Im Bereich der Flächenenden ist eine deutlich geringere Breite möglich. Dadurch erhält die Kiste in der Draufsicht eine Keilform (Abb.2).
Abb.2: Transportbox in der Seitenansicht und der Draufsicht.
Ich habe meine Kisten mit einem ebenen Bodenbrett versehen. Auf dieses Brett, aus 4mm Pappelsperrholz, werden die Seitenteile, aus 10mm Pappelsperrholz, mit Weißleim aufgeklebt. Man sollte mit den kleinen Kopfplatten anfangen. Sie lassen sich mit der Hilfe von je zwei kleinen Nägeln zusätzlich leicht justieren. Die Seitenwände werden übrigens in einem Stück aufgebracht. Das heißt, die Kiste wird nicht aus Unterteil und Deckel aufgebaut! Wir bauen zuerst eine geschlossene Kiste und sägen sie nach dem Trocknen des Weißleims und anschließendem Verschleifen erst auf. Die Seitenteile werden mit Kreppband an dem Bodenbrett und den Kopfplatten gesichert. Direkt anschließend wird der Deckel, wie der Boden aus 4mm Pappelsperrholz, aufgeklebt . Da das Bodenbrett eben ist, wird diese Kante als Anschlag verwendet, um mit einer Hand- oder Tischkreissäge die Kiste aufzutrennen. In den Bodenteil der Kiste werden jetzt zwei 10mm dicke Sperrholzplatten eingepaßt, die Rumpf und Flächen in Position halten sollen. Zunächst werden diese beiden Platten als mit dem Bodenteil der Kiste abschließende Rechtecke ausgemessen. Lassen sie sich an der vorgesehenen Stelle des Kistenunterteils leicht einsetzen, kommt die schwierigste Arbeit auf uns zu. Diese Platten erhalten nun die nötigen Einschnitte. Zuerst kommen die Rund bis oval auszuführenden Einschnitte für den Rumpf. Dazu wird zuerst der Abstand des Rumpfes, an den beiden Stellen der Platten, vom Boden der Kiste bestimmt. Der Rumpf sollte überall mindestens 10mm vom Boden entfernt sein, um nur in diesen Auflagern zu liegen. Die Form und Größe der zu sägenden Einschnitte wird am Rumpf ausgemessen und übertragen. Man sollte zusätzlich ca. 3mm Luft zu den Modellteilen lassen, um noch eine Gummi- oder Filzauflage aufbringen zu können. Den Fotos und Zeichnungen ist die Ausführung der Einschnitte zu entnehmen. Für die Flächen mess ich an der entsprechenden Stelle die Tiefe der Fläche aus und Drucke mir die Umrisse mit 3mm übermaß über PC und Wiechers-Profilprogramm aus.
 
Die geöffnete ASW 17 Kiste. Die Seitenleitwerksverkleidung der Kiste ist nicht am Kistenende!
Die Kiste meiner DG-200 mit 3,75m Spannweite. Die zu sehende Kiefernholzleiste am Kisteninnenrand sorgt für die Abdichtung und dient der Führung des Deckels.

Bevor jetzt die beiden Platten in das Kistenunterteil geklebt werden, wird eine Dichtlippe aus 20mm x 5mm Kiefernleisten umlaufend an die Innenkante des Kistenunterteils geklebt. Diese Leisten sollten halb, also 10mm, über die Kante herausstehen. Diese Dichtlippe gibt dem aufgesetzten Kistendeckel die Führung. Jetzt können auch die beiden Haltoplatten eingesetzt werden. Nach zweimaligem Streichen der Holzteile mit DD Lack werden die Verschlüsse und der Tragegriff angeschraubt. Diese Teile sind im Eisenwarenhandel erhältlich. Ich habe die Verschlüsse an den Kopfteilen der Kiste angebracht und kann daher durch Lösen eines Verschlußes den Deckel anheben und beiseitelegen.
Besser und sicherer kann man sein Modell nicht transportieren und hat alles zum Zusammenbau auf dem Platz zur Hand. Flächensteckungen, Schraubendreher, Schrauben und sogar Schutzüberzüge aus Stoff lassen sich noch in der Kiste unterbringen. Dann kann man z.B. mit zwei Kisten, der Modellkiste und dem
Senderkoffer, mit dem Sessellift zur Seiseralm rauffahren und hat oben vor Ort alles griffbereit. Sollte Sie dort ein Gewitter überraschen, ist das Modell schnell verstaut und bleibt trocken.
Vielleicht begegnen mir jetzt auch noch andere Kistenträger auf den Modellflughängen.
Viel Spaß beim Nachbau.

Home